Kurhessischen Diakonissenhaus Kassel

 

 

 

Geschichte

 
Frühe Christenheit
Das erste Zeugnis des apostolischen Diakonissenamtes findet sich im Brief des Apostels Paulus an die Christengemeinde in Rom (Röm 16, Vers 1). Darin grüßt der Apostel eine Witwe namens Phöbe. Diese war auf der einen Seite Geschäftsfrau, auf der anderen Seite hatte sie das so genannte Witwenamt inne. Das bedeutete, sie kümmerte sich als Diakonisse wie eine Gemeindeschwester (was heute den Mitarbeiterinnen z.B. einer Diakoniestation entspricht) um alte, kranke und bedürftige Menschen. Das Wort Diakonisse leitet sich vom altgriechischem „diakonein“ ab, was so viel heißt wie dienen oder „durch den Staub gehen“. Das weist darauf hin, dass Jesus als „Diakonos“ auch Sklavendienste übernommen hatte, etwa das Waschen der Füße. Jesus diente den Menschen – und das wollten Diakonissen in seiner Nachfolge auch.


2000 Jahre Diakonissen-Amt
Im Lauf der Kirchengeschichte bildeten sich zwei Formen von Diakonissen aus. Zu der dienenden, im sozialen Bereich engagierten Frau kam eine neue Art des Diakonissenamtes dazu: die der liturgischen Schwester. Diese arbeitete mit dem Bischof im gottesdienstlichen Bereich zusammen. Beide Arten von Schwestern wurden vor ihrem Dienst in ihr Amt eingesegnet. Bei der liturgischen Schwester kam ein altkirchliches Weihegebet hinzu.
Diakonissen arbeiteten in Gemeinden, verloren aber zunehmend durch neue Strukturen an Einfluss. So institutionalisierte sich etwa die Krankenhilfe im Mittelalter hin zu den klösterlichen Spitälern und Ordensgemeinschaften. Diese übernahmen die Aufgabe der Liebestätigkeit, Armenpflege und Seelsorge. Ein Beispiel dafür ist das Wirken von Elisabeth von Thüringen .


Neubeginn
Der Kaiserswerther Pfarrer Theodor Fliedner und seine Frau Friederike entdecken Anfang des 19. Jahrhunderts die Diakonisse neu. Durch die soziale Not vor ihrer Haustür fühlen sie sich zum Handeln verpflichtet. Denn die beginnende Industrialisierung ist gleichzeitig eine riesige Armuts-Maschine, die die Großfamilien zerstört, Arme, Witwen und Waisen produziert und das Elend in den Städten anwachsen lässt.

 
Mutterhaus-Diakonie
Diese „neuen“ Diakonissen waren im 19. Jahrhundert aber auch Gefahren ausgesetzt: Weil sie nicht verheiratet waren, konnten sie nicht auf den Schutz eines Ehemannes zurückgreifen, was für die nötige Anerkennung in der Gesellschaft gesorgt hätte. Das löste Pfarrer Fliedner, indem er den Frauen die Kleidung der bürgerlichen verheirateten, rheinischen Frau als Tracht gab. Dazu kam, dass die Frauen in Gemeinschaft leben wollten, weil der schwere Dienst auch bei ihnen den Wunsch nährte, nicht damit allein sein zu wollen. Deshalb gründete 1836 Fliedner das erste evangelische Diakonissen-Mutterhaus als deren Lebensort. Damit entsteht zum ersten Mal in der Geschichte ein Mutterhaus evangelischer Prägung. Bislang waren solche Orte nur bei katholischen Schwestern bekannt, etwa den Vinzentinerinnen. Das Ehepaar Fliedner gab der Schwesternschaft eine Ordnung, die ihre Glaubens-, Lebens und Dienstgemeinschaft regelte. Das Mutterhaus war gleichzeitig der Ort der theologischen und beruflichen Bildung.