20.08.18

„Ich war immer gerne Lehrerin!“ - Diakonisse Helga Raband in den Ruhestand verabschiedet

STIFTUNG – Mit Schwester Helga Raband ging jetzt die letzte Diakonisse in den Ruhestand, die noch nach alter Form eingesegnet wurde. Die Ursulinenschule in Fritzlar verabschiedete sie vor den Sommerferien.

Foto: v.l. Schulleiterin Jutta Ramisch, Sr. Helga Raband, Stellv. Schulleiter Uwe Jüngst

In ihrem ersten Berufsleben war Sr. Helga Krankenschwester. Nach einer Krankenpflegeausbildung arbeitete sie im Diakonissenkrankenhaus auf der Inneren Station und wurde nach einem halben Jahr im Alter von 20 Jahren stellvertretende Stationsschwester. In dieser Zeit merkte sie, dass sie sich berufen fühlte, Diakonisse zu werden. „Ich wollte mein Leben ganz im Glauben leben“, erinnert sich Sr. Helga. „Dabei wurde mir klar, dass es die Lebensform der Diakonisse sein soll.“ So trat sie 1977 als einzige Probeschwester ein und wurde 1983 als eine der letzten Diakonissen eingesegnet.

Im Diakonissenkrankenhaus arbeitete sie auf Station und hat in Bethel an Jungschwesternkursen teilgenommen. „Da ich aber schon immer mit Kindern und Jugendlichen arbeiten wollte, habe ich dann die Ausbildung zur Gemeindehelferin gemacht und dabei die Fakultas für Evangelische Religion erworben“, erzählt die frisch gebackene Ruheständlerin. Das Anerkennungsjahr leistete sie im Landeskirchenamt in den Bereichen Frauenarbeit und Missionarische Dienste ab: „Meine Aufgaben waren sehr vielseitig: Von der  Urlauberseelsorge auf den Campingplätzen Scheid am Edersee bis zum Landeskirchentag“. 1986 wechselte Sr. Helga ins Mutterhaus. Sie kam in den Reisedienst und machte die Öffentlichkeitsarbeit. „Schon damals gab ich einige Wochenstunden Religionsunterricht in der Ursulinenschule.“

Da das Diakonissenhaus auf ein gutes Einkommen der Diakonissen bei kleiner werdender Schwesternschaft zunehmend mehr angewiesen war, wurde Sr. Helga nach einer Anfrage des Kaiserswerther Verbandes 1993 als Oberin ins Diakonissenhaus nach Halberstadt geschickt. Dort war sie u.a. zuständig für ca. 20 Diakonissen. Sie blieb bis 1999. Als sie zurückkam, suchte die Ursulinenschule gerade eine Lehrerin und Sr. Helga wurde gerne genommen. Damals ist sie dann aus der Versorgungsgemeinschaft der Diakonissenschwesternschaft auf Wunsch der Hausleitung ausgeschieden, blieb aber Teil der geistlichen Schwesterngemeinschaft. In Halberstadt lernte sie auch Sr. Ilse Amende kennen, mit der sie bis heute in Gemeinschaft zusammenlebt. 2005 legte Sr. Helga die Diakonissentracht ab. „Ich bin immer noch Teil der Gemeinschaft, aber selbständig“, erklärt sie. „Meine Berufung hat dann doch getragen.“

In der Ursulinenschule unterrichtete sie bis zu diesen Sommerferien. Neben dem normalen Unterricht bot sie in der „Freizeiterziehung“ des Jahrgangs 7 Kontaktmöglichkeiten zu älteren Menschen in einem Altenheim an. Ferner hat sie in den Klassen 10 und der Oberstufe gemeinsam mit dem Jugendreferat in Kassel den Erwerb der Jugendleitercard (Juleica) implementiert, ehrenamtliche Jugendleiter ausgebildet. Die Projektwochen zu Afrika oder Lateinamerika lagen auch in der Verantwortung von der engagierten Lehrerin. „Ich war sehr gerne Lehrerin – bis zum Schluss“, bekräftigt Sr. Helga. Je älter man werde, desto mehr merke man aber, dass die Spannkraft für unruhige und problematische Kinder nachlasse. „Es ist doch schön, wenn man aufhören kann, solange es noch Spaß macht!“

Und wie sieht ihr Ruhestand aus? Sie ist seit vielen Jahren als Prädikantin aktiv und auch Vorsitzende des Prädikantenbeirats. „Ich werde mich weiterhin als Prädikantin einsetzen lassen und mache auch im Mutterhaus Dienst“, sagt sie. „Und wir haben einen großen Garten. Da gibt es immer was zu tun. Ich werde aber auch mal die Terrasse genießen“, ergänzt sie schmunzelnd. Sie möchte auch häufiger reisen. Als nächstes gehe es nach Schlesien. Und da sei natürlich noch der Kontakt zur Schwesternschaft. „Ich kann jetzt wieder häufiger zu den Schwesternnachmittagen kommen und mich mehr einbringen“, freut sie sich. Gerade stecke sie mitten in den Vorbereitungen für den großen Flohmarkt im November. Sr. Helga beteuert: „Wir haben für das Mutterhaus immer ein offenes Haus.“ Die Gemeinschaft mit Sr. Ilse sei ihr sehr wichtig. „Das ist auch ein Vorteil des Ruhestands. Wir können nun den Tag gemeinsam beginnen!“

Weitere Berichte zur Verabschiedung von Sr. Helga finden Sie hier:

https://www.ursulinenschule.de/verabschiedung-sr-helga/