21.12.17

Studierende der CVJM-Hochschule besuchten das Diakonissenhaus

STIFTUNG – Rund 60 Studierende der CVJM-Hochschule besuchten im Rahmen des integrativen Bachelorstudiengangs für Religions- und Gemeindepädagogik/Soziale Arbeit die Stiftung Kurhessisches Diakonissenhaus. Initiatorin dieser Einheit war Professorin Dr. Bianca Dümling.

„Viele der Studierenden sind noch nie einer Diakonisse begegnet und es herrschen viel Unkenntnis oder sogar Vorurteile. Viele der Studierenden haben ein geistliches Anliegen, aber nur wenig Erfahrungen oder Vorstellungen, wie sie dieses Anliegen in ihrem Beruf integrieren könnten“, begründete Prof. Dümling ihren Besuch im Diakonissenhaus. Der Theologische Vorstand der Stiftung, Dr. Eberhard Schwarz, begrüßte die Studierenden in der Mutterhauskirche. Die Studierenden erfuhren, dass die 1962 eingeweihte Kirche einem Zelt nachempfunden wurde. „Dahinter steht ein theologisches Programm: Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“, erläuterte Schwarz. In den farbenfrohen Fenstern seien Anker, Kreuz und Herz eingearbeitet. Diese stehen für Hoffnung, Glaube und Liebe.

Gemeinsam mit Diakonisse Ursula Graack stellte Dr. Schwarz auszugsweise die über 150-jährige Geschichte des Kurhessischen Diakonissenhauses vor, das zum Kaiserswerther Verband gehört. In den Höchstzeiten gehörten zum Diakonissenhaus über 500 Schwestern, die in über 200 Gemeindestationen in Hessen wirkten. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden einige Schulen und Ausbildungsstätten des Hauses geschlossen, da deren Inhalte nicht mehr vermittelt werden durften. Man lebte in der Spannung zwischen Anpassung und Widerstand. Schwarz: „Heute haben wir ca. 320 Mitarbeitende und sind in der Altenhilfe, Jugendhilfe, in Kindertagesstätten und in einem Zentrum für Schädel-Hirn-Verletzte aktiv. Ferner gehören noch 40 Prozent der Agaplesion Diakoniekliniken der Stiftung.“

Die Studierenden diskutierten angeregt mit dem Theologischen Vorstand über das Spannungsverhältnis zwischen diakonischem Profil sozialer Einrichtung und den herrschenden Marktgesetzen. Schwarz wies darauf hin, dass die Pflegesätze der Versicherungen nicht ausreichen um die diakonische Altenhilfe zu finanzieren. Auch die Frage Tarifvertrag oder „Dritter Weg der Kirchen“ wurde diskutiert. Sollten auch Mitarbeitende in sozialen Berufen streiken können? Welche Auswirkungen hatte die Marktöffnung sozialer Felder Mitte der 90er Jahre? Wie stehe es um die christliche Motivation der Mitarbeitenden in den diakonischen Einrichtungen und wie laufe die christliche Bildung in den Einrichtungen?

Schließlich hatten die Studierenden die Möglichkeit die Lebensgeschichten zweier bemerkenswerter Diakonissen zu hören, denen sie gebannt lauschten. „Man kam in eine große Gemeinschaft hinein“, erzählte Schwester Ursula Graack strahlend. Aber diese Gemeinschaft habe auch Herausforderungen. Man müsse sich üben in der Streitkultur, in der Vergebung und lernen, auf die anderen und ihre Gaben zu achten. Sie selbst kam aus Niedersachsen und wollte einen Beruf ergreifen, der etwas mit Menschen zu tun hat. Sie wollte Krankenschwester werden und kam zur Ausbildung ins Diakonissenhaus. „Da fing das Wort Gottes an, in meinem Herzen zu arbeiten“, erzählte sie. Irgendwann wusste sie, dass es einen Gott gebe, der ihr Leben in den Händen halte. So wurde sie zuerst für zwei Jahre Probeschwester, dann Novizin. Diese Zeit war da um sich zu prüfen. Wolle sie das wirklich? Mit 21 Jahren wurde sie dann zur Diakonisse eingesegnet.

Schwester Anne-Marie Pfetzing fasste ihre bisherige Zeit als Diakonisse so zusammen „Es war ein Leben wie ein Bild – mit vielen Lichtblicken und einigem Dunkeln“. Auch sie kam zur Ausbildung als Krankenschwester ins Diakonissenhaus, da dort die Ausbildung kostenfrei war. Während dieser Ausbildung habe sie viele tolle Diakonissen kennengelernt. „Dann hatte ich einen Traum: Ich sah mich im Diakonissenkleid. Das war für mich ein Zeichen und eine Weisung“, erzählte Sr. Anne-Marie. 1954 ist sie eingetreten und wurde 1958 eingesegnet. Nach einer Erzieherausbildung war sie u.a. in einem Heim für Jugendliche, die unehelich ein Kind erwarteten, tätig. Sie erinnerte sich: „Die Zeit dort war sehr gut. Ich hatte tolle Gespräche mit den Mädchen und lernte eine Welt kennen, die ich bisher nicht kannte.“ Ihre Lebensgeschichte fasste sie so zusammen: „Sie sehen also, wie glücklich man als Diakonisse werden kann!“