23.10.17

Pfarrer Ekkehard Raum wird in den Ruhestand verabschiedet

STIFTUNG – Fast drei Jahrzehnte war Ekkehard Raum Pfarrer im Kurhessischen Diakonissenhaus und im Diakonissenkrankenhaus bzw. den Agaplesion Diakonie-Klinken. Am Sonntag wird er in einem Gottesdienst und mit einer Feierstunde in den Ruhestand verabschiedet.

Die Weichen in Richtung Klinikseelsorge wurden bei Raum schon früh gestellt. Bereits im Vikariat lernte er über seinen Mentor die Klinikseelsorge in der Psychiatrie kennen. Dort vertiefte er dann auch seine Ausbildung. Seine erste Stelle war zur Hälfte in der Gemeindeseelsorge und zur Hälfte in der Klinikseelsorge der Psychiatrie.
„Als ich vor 28 Jahren in das Diakonissenhaus kam, betrieb dieses noch das Krankenhaus“, erinnert sich Pfarrer Raum. „Wir hatten zwischen zehn und fünfzehn Zivildienstleistende, für die ich auch zuständig war“, so Raum weiter. Nach zwei Jahren übernahm er außerdem die Begleitung der Diakonischen Schwesternschaft. Raum: „Das waren damals zwischen 50 und 60 Schwestern. Heute nur noch 18.“

Aufgaben als Klinikseelsorger
„Als Klinikseelsorger sucht man die Patienten auf und kommt mit ihnen ins Gespräch“, so beschreibt Pfarrer Raum seine tägliche Arbeit. Beim Rundgang werde man angesprochen oder man gehe gezielt auf jemanden zu. Oft seien es auch die Angehörigen, die ihn sprechen wollen. In den Gesprächen gehe es in der Regel um die aktuelle Situation und darum, wie man mit einer Krankheit oder der daraus folgenden Einschränkung umgehen kann. Raum betont: „Da wird man ja ganz aus der Bahn geworfen. Die Frage nach Gott wird dann häufig gestellt.“ Verstirbt ein Patient, gehören immer wieder auch die Aussegnung oder die Beerdigung zu seinen Aufgaben.
Mit den Mitarbeitenden der Klinik ist Pfarrer Raum auch regelmäßig im Gespräch. „Die Veränderungen in den Strukturen haben Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen. Das ist ein präsentes Thema.“ Immer weniger Personal müsse immer mehr arbeiten. Die Pflegende beanstanden, dass sie ihren Ansprüchen nicht mehr gerecht werden können. Das führe zu großen Anspannungen.
In der Krankenpflegeschule ist Ekkehard Raum von Anfang an dabei. Er unterrichtete zu Themen wie Glaube und Gesundheit oder religiöse Aspekte der Sterbebegleitung. Raum gestaltete auch Gottesdienste und Examensfeiern mit den Auszubildenden. Ferner hatte er zwölf Jahre lang gemeinsam mit einer Mitarbeiterin aus dem Sozialdienst im Krankenhaus Sterbebegleitkurse durchgeführt. Für die Mitarbeitenden der Einrichtungen des Kurhessischen Diakonissenhauses war er eingebunden in die „Diakonischen Grundkurse“. Pfarrer Raum erklärt: „Daraus entwickelte sich die Weggemeinschaft. Es kamen Menschen zusammen, die gemeinsam weitergehen und sich regelmäßig austauschten wollten.“ Diese Weggemeinschaft hat sich nach 13 Jahren nun aufgelöst.


Selbstfürsorge

„Die Grundvoraussetzung für diese Arbeit ist, dass man sich selber in einem im Glauben verankerten Leben weiß“ berichtet Raum. Für ihn sei es wichtig, sich immer wieder klar zu machen, dass alles in den Lebenswillen Gottes mit den Menschen eingebettet sei. Ebenso sei das bewusste Praktizieren von Gottesdiensten und Gebetszeiten ein wichtiges Gerüst für ihn gewesen: „Ich weiß, dass ich alles, was ich erfahren habe, am Ende des Tages abgeben kann und muss!“ Natürlich seien auch die Supervisionen zur Reflexion des eigenen Handelns ein wichtiger Baustein gewesen.

Veränderungen
Das Krankenhauswesen hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr gewandelt. „Die Ärzte können immer mehr. Aber auch die Grenzen werden sehr bewusst wahrgenommen. Wir Menschen sind sehr zerbrechlich!“ Früher blieben die Patienten während des gesamten Genesungsprozesses im Krankenhaus. Heute müssen sie immer schneller nach Hause. „Das verändert unsere Seelsorge. Die Begegnungen werden punktueller und die Begleitung ist selten sein längerer Prozess“, weiß Raum.

Zufriedenheit
Ekkehard Raum ist sich sicher: „Der Dienst als Seelsorger in einem Krankenhaus ist etwas ganz Besonderes. Für mich waren alle Begegnungen elementar an den Lebensfragen dran. Deswegen kann ich sehr zufrieden auf diese 28 Jahre zurückblicken.“
Raum nimmt sich für den Ruhestand ein Leben auf dem Lande vor: „Ich möchte in Stille und frei von beruflichen Verpflichtungen sein. Konkrete Pläne gibt es nicht. Ich warte, was auf mich zukommt.“

Der Gottesdienst zur Verabschiedung findet am Sonntag, 28.10.17 um 14 Uhr in der Mutterhauskirche statt. Alle, die der Stiftung Kurhessisches Diakonissenhaus oder Pfarrer Raum verbunden sind, sind herzlich eingeladen.