23.10.20

Diakonissenhaus feiert 156. Jahresfest

STIFTUNG – In einem kleinen Rahmen feierte das Kurhessische Diakonissenhaus Kassel sein 156. Jahresfest. Neben dem Geburtstag gab noch ein zweiter Anlass zum Feiern: Der Einzug der CVJM-Hochschule mit Teilen seines Lehrbetriebs ins Mutterhaus.

Es hätte sehr schön sein können: Gottesdienst mit Schwestern, Freundinnen und Freunden des Diakonissenhauses, Studierenden und Lehrenden in der Mutterhauskirche. Im Anschluss ein gemeinsames Mittagessen mit guten Gesprächen und ansteckendem Lachen.

Soweit die Planungen – in diesem Jahr war aufgrund der Corona-Pandemie daran jedoch nicht zu denken. Es wurde anders. Aber dennoch schön – auch wenn die fehlende Gemeinschaft immer wieder wehtat. Diakonissen und Diakonische Schwestern, Stiftungsvorstand, Mitglieder des Aufsichtsrats, eingeladene Vertreter der CVJM-Hochschule sowie ein paar Personen aus der Nachbarschaft feierten gemeinsam Gottesdienst. Kantor Martin Forciniti an der Orgel und Dr. Georg Dieckhues mit der Trompete gestalteten diesen Gottesdienst musikalisch mit.

Das neue Gewand

Festpredigerin war Pröpstin Katrin Wienold-Hocke. Sie hat eine ganz besondere Beziehung zum Diakonissenhaus: Von 2008 bis 2011 war sie die Oberin der Schwestern. Die Pröpstin predigte zum vierten Kapitel im Epheser-Brief. Die unterschiedlichen Maßnahmen und Regeln in der Corona-Pandemie verändern das Miteinander und Zusammensein wie auch an so einem Festtag wie heute. Aber, es komme auf die innere Wärme, auf die Haltung an, mit der wir uns den Regeln fügen und die Einschränkungen annehmen. Die Pöpstin: „Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie Gott euch vergeben hat in Jesus Christus, so beschreibt der Epheserbrief die Haltung, von der auch Gesundheitsminister wissen, wie sehr wir sie nötig haben, wenn wir aufeinander achthaben.“ Der Apostel schreibe im Epheserbrief von einer Wärme, die von innen nach außen gehe. „Christus sollen wir anziehen wie ein Kleid, den neuen Menschen, der wir sein können, weil wir geliebte Kinder sind, die von Christus die Kraft der Vergebung erfahren“, so Wienold-Hocke weiter. Abends könnten wir den Zorn ablegen und morgens gute Worte anziehen. Dies könne durch die Tageslosung oder einer stillen Zeit sein. Den Studierenden und Lehrenden der CVJM-Hochschule wünschte die ehemalige Oberin ebenfalls Wärme, die von außen nach innen dringt. Es sei keine leichte Übung, die frohe Botschaft von der Liebe Gottes an junge Menschen weiterzugeben. „Christus anziehen ist nicht gerade schwer in Mode.“ Zu den Übungen, mit denen wir Christus anziehen gehören lebenslanges Lernen, die Freude an Innovation sowie eine wahrhaftige, reflektierte Menschenliebe. Es gebe viel zu lernen vom CVJM: „Den Mut, neu aufzubrechen mit frischen Ideen, und die gebildete Aufmerksamkeit für die Menschen, denen die frohe Botschaft gilt“, so Wienold-Hocke.

Gemeinsam mit Glaube, Hoffnung und Liebe unterwegs

Als Zeichen für die neue Kooperation mit der CVJM-Hochschule im Mutterhaus machten sich Pfarrerin Martina Tirre, Vorstand der Stiftung Kurhessisches Diakonissenhaus, und Prof. Dr. Rüdiger Gebhardt, Rektor der CVJM-Hochschule gemeinsam auf den Weg. Im Gepäck einen Koffer voller Glaube, Hoffnung und Liebe. In diesem Koffer kam vor 62 Jahren eine Diakonisse mit ihrem Hab und Gut an und trat ins Diakonissenhaus ein. Pfarrerin Tirre betonte, dass dieser 156. Geburtstag des Diakonissenhauses und seiner Werke ein besonderer Tag sein. Nach vielen Einschnitten in den vergangenen Jahren gebe es endlich wieder einen Aufbruch zu feiern: Die CVJM-Hochschule verlegt einen Teil ihres Lehrbetriebs in das Diakonissenmutterhaus. Der Koffer mit den Symbolen für Glaube, Liebe, Hoffnung stehe für diesen Neubeginn. Der Anker stehe für die Hoffnung. „Die christliche Hoffnung war die treibende Kraft der Menschen bei Gründung und Aufbau des Diakonissenhauses, des Krankenhauses und der weiteren Werke. Diese Kraft wirkt bis heute, bedarf aber auch immer wieder einer Übersetzung und Menschen, die bereit sind, sich ihr zu öffnen", so Pfarrerin Tirre. Das Kreuz ist als Symbol für den Glauben an Jesus Christus, Tod und Auferstehung. Tirre: „Überall da, wo Menschen zusammen leben und arbeiten menschelt es. Ich hoffe sehr darauf, dass wir kommende Schwierigkeiten gemeinsam meistern können.“ Schließlich entnahm die Pfarrerin dem Koffer noch ein großes Herz, das Symbol der Liebe. Hochschule und Diakonissenhaus haben mit Menschen zu tun. Da brauche es immer ein weites Herz. „Für den gemeinsamen Weg wünsche ich mir, dass die Liebe nie versiegt, getreu dem Leitwort des Diakonissenhauses: Gemeinsam aus Liebe zum Menschen,“ endete Martina Tirre.

"Das passt ganz gut zu dem, was wir unseren Studierenden zu Beginn mit auf den Weg geben", ergänzte Prof. Dr. Rüdiger Gebhardt. "Wir hoffen, dass sie am Ende ihres Studiums weiter denken, tiefer glauben und leidenschaftlicher lieben." Gebhardt ist sich sicher: „Dass wir mit der CVJM-Hochschule jetzt hier im Mutterhaus sind, ist kein zufälliger Weg.“ Schon die ersten Kontaktaufnahmen mit dem Diakonissenhaus seien mehr als nur eine Raumsuche gewesen. Er hoffe auf eine lange und gute Partnerschaft.

Der Gottesdienst in Bildern