27.02.20

Neue Klangschalen

ZEHN – Behutsam setzt Ergotherapeutin Christa Weissinger die Klangschale auf den Bauch von Hans M. Ein dunkler wohlklingender Ton durchdringt den Raum, wird leiser und verschwindet.

Hans M. ist zunächst noch ganz aufgeregt, wird ruhiger, je länger die Klangschale auf seinem Bauch liegt und angeschlagen wird. Weissinger platziert eine zweite Klangschale auf seiner Hand. Abwechselnd sind höhere und tiefere Töne zu hören.

Hans ist Schlaganfallpatient. Er versteht Fragen, kann zustimmen oder verneinen. „Ich lege die Schalen nur bei Bewohnern auf, die sich äußern können“, erklärt Weissinger. Sie ist Ergotherapeutin im Diakonie-Zentrum für Schädel-Hirn-Verletzte Nordhessen (ZeHN) und hat eine mehrtägige Fortbildung zum Einsatz von Klangschalen in der Ergotherapie absolviert. Ihr Ziel ist der Abschluss als „klangtherapeutischer Begleiter Ergotherapie“. Inzwischen gebe es 30 Jahre Erfahrung in der Klangschalenmassage, die v.a. von Peter Hess weiterentwickelt wurde. „Er ist Physiker“, betont Weissinger. Sie erklärt, dass der Mensch als Schwingungswesen gesehen werde und damit auch resonanzfähig sei. „Die Tibeter sagen, dass der Mensch Klang und Schwingung sei“. Die Schwingungen der Schalen übertragen sich über die Haut in die Organe und Knochen. Der Ton und die Schwingungen lösen unterschiedliche Reize aus. Weissinger weiß: „Dadurch entsteht ein meditativer Entspannungszustand mit physischen und psychischen Reaktionen.“ Die Klangschalen können und wollen jedoch nicht eine medizinische Behandlung ersetzen.

Drei Klangschalen unterschiedlicher Größe und damit mit unterschiedlichen Tönen konnten mit Hilfe von Spenden angeschafft werden. Weissinger: „Nicht jede Klangschale kann überall aufgelegt werden.“ Die große Schale müsse unterhalb des Solarplexus liegen, die Mittlere sei flexibel einsetzbar und die kleine Schale sei für den Oberkörper. In der ZeHN kann die Arbeit mit den Schalen die Bewohner mental und emotional entspannen. „Das hilft bei Spastiken“, erklärt die Ergotherapeutin. Ferner werde durch das Auflegen der Klangschalen die Eigenwahrnehmung des Körpers gestärkt. Das sei v.a. für Menschen wichtig, die sich nicht mehr bewegen können. Außerdem können Schmerzen reduziert werden, besserer Schlaf gefördert und Sensibilitätsstörungen entgegengewirkt werden. Bei Bewohnern, die sich nicht mehr äußern können, werden die Klangschalen ausschließlich im Nahbereich der Person angetönt. Dies erfolge häufig vor einer Gelenkmobilisation.

Christa Weissinger benutzt die Klangschalen bei ihren Therapieeinheiten und zusätzlich wird zweimal wöchentlich Klangschalenmassage angeboten. „Die Bewohner, die sich äußern können, waren alle sehr begeistert. Und die Kollegen aus der Pflege oder Therapie bemerken auch, dass einige entspannter seien“, berichtet Weissinger dankbar.

Hintergrund:
Die drei angeschafften Klangschalen haben unterschiedliche Größen und Sequenzen: Die große Beckenschale für unterhalb des Solarplexus, die Herzschale als Obertonschale für den Oberkörper und die Universalschale. Es sind handgefertigte Unikate aus Messing, die von je fünf Personen gedengelt wurden. In einer Schale liegen 20 Stunden Arbeitszeit. In Tibet haben Klangschalen eine 5000-jährige Tradition. In Deutschland gilt Peter Hess als Vater der Klangschalenmassage.

Wir danken allen Spenderinnen und Spendern von Herzen!