29.04.19

Umgestaltetes Gräberfeld eingeweiht

STIFTUNG – Nach gut zweijähriger Planungs- und Umsetzungszeit konnte am Karfreitag in einer kleinen Gedenkfeier das neugestaltete Gräberfeld der Diakonissen auf dem Wehlheider Friedhof eingeweiht werden. Pröpstin Katrin Wienold-Hocke, frühere Oberin des Diakonissenhauses, hielt die Kurzpredigt.

Drei Gräberfelder wurden zu einem zusammengelegt. Dieser Prozess wurde von der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. planerisch begleitet. „Für mich war das Besondere an diesem Projekt die Frage, wie sich mit wenigen und einfachsten Mittelns die Aussagekraft eines Gräberfeldes einer religiösen Gemeinschaft fortsetzen lässt“, so Dagmar Kuhle von der Arbeitsgemeinschaft.

Die Diakonissen

Über 500 der insgesamt 1500 Diakonissen des Kurhessischen Diakonissenhauses sind auf dem Wehlheider Friedhof begraben. Pfarrerin Martina Tirre, Vorstand der Stiftung, verwies auf die dahinter verborgenen Lebensgeschichten: „Das sind unzählige Zeugnisse und vor allem Dienste am Menschen. Das sind unzählige begleitete Geburten, geschriebene Briefe, gepflegte Kranke und Ältere, Gespräche über Gott und die Welt, Abschiede, Religionsunterrichtsstunden und Konfirmandenstunden, Jahresfeste, angezündete Kerzen, stille Stunden, Einsegnungsjubiläen, gewickelte Kinder, seelsorgerliche Gespräche, getröstete Kinder. Das sind v.a. Frauen, die sich in der Lebens-, Glauben- und Dienstgemeinschaft als Diakonisse für Junge und Alte, Kranke und Gesunde eingesetzt haben und Zeuginnen von Jesu Botschaft waren.“

Pröpstin Katrin Wienold-Hocke war früher Oberin des Diakonissenhauses. In dieser Funktion hatte sie eng mit den Diakonissen zusammengearbeitet. Aus dieser Erfahrung weiß sie: „Auch die Schwestern, die mit allen Fasern gelebt und geliebt und am Leben gehangen haben, waren auf ihren Tod vorbereitet. Traurig und gefasst, klug, ja, erstaunlich nüchtern im Umgang mit dem Tod, dem sie in ihrem Berufsleben so oft begegnet waren, habe ich die Schwestern erlebt.“ In ihrer Ansprache auf dem Friedhof wies die Pröpstin darauf hin, dass „hier Christenmenschen ruhen, die für ihren Glauben standen und um ihn rangen, die weitergaben, dass wir von Barmherzigkeit leben.  Ein altes Wort, und eine Erkenntnis, die wir neu brauchen.“ Dieses Gräberfeld sei ein wichtiger Erinnerungsort – nicht nur für trauernde Schwestern, sondern für die sterblichen Menschen hier in Kassel. „Es zeugt von Menschen, die bereit waren zur Demut, eine lebenswichtige Haltung auch für unsere Gegenwart: dass Menschen bereit sind zu dienen, über ihr eigenes Leben hinaus zu denken und zu hoffen und zu handeln. Für eine gute Gesellschaft und diese schöne Erde“, so Wienold-Hocke.

Hintergründe zur Gestaltung

Drei charakteristische Merkmale zeichnen diesen „Friedhof im Friedhof“ aus. Diese wurden von Dagmar Kuhle in ihrem Grußwort ausgeführt. Sie betreute als Diplomingenieurin in Landschafts- und Freiraumplanung aus der Beratungsabteilung der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. die Umgestaltung.  „Die Gräber sind Körpergräber und damit auf das Vorbild des Grabes Christi bezogen“, so die Ingenieurin. Dies sei an der Länge der Rasenfläche vor den Steinen zu erkennen. Der Rasen rahme die Gräber ein und die Themen Gemeinschaft und Ruhe rücken in den Vordergrund. Kuhle weiter: „Alle Gräber sind in eine Richtung orientiert.“ Dies ist das Hochkreuz, das im hinteren Bereich steht. „Jede einzelne Schwester hatte und alle zusammen als Gemeinschaft haben ihr Leben, Wirken und Sterben der Kraft Gottes unterstellt.“ Rechts und links neben dem Kreuz sind Gedenkplatten mit den Namen jener Schwestern, deren Grab nicht mehr existiert. „Die Botschaft des Kreuzes, das Durchbrechen des Lichtes durch die Dunkelheit des Todes, wurde in die Umgestaltung der Rahmenbepflanzung aufgenommen, indem neben die dunklen Eiben Forsythien gepflanzt wurden“, erklärte die Planerin. Eine Stele bietet nun Besuchern die Möglichkeit, sich über das Leben und Wirken der Diakonissen kundig zu machen. Ihr gegenüber wurde eine Rose gepflanzt: „Die Rose verweist als Marienpflanze einmal mehr auf die christlichen Werte, die die hier bestatteten Schwestern gelebt haben.“

Pfarrerin Martina Tirre

Pröpstin Katrin Wienold-Hocke

Dagmar Kuhle